Zug um Zug -
Schwimmen lernen

Wassergewöhnung: Situation Wasser ohne Vorerfahrung bewältigen


Lernstufe 1: In vertikaler Position im Wasser bewegen
  1. Auf Matten krabbeln und versuchen, im Stand auf den Matten zu balancieren
  2. Im bauchtiefen Wasser am Schwimmbrett hüpfen
  3. Eine Kinderschlange geht und hüpft durchs knietiefe oder bauchtiefe Wasser
  4. Hampelmann im stehtiefen Wasser probieren
  5. "Es regnet aus den Schwämmen": die im Wasser liegenden Schwämme ausdrücken
  6. Im schultertiefen Wasser sich an eine Poolnoodle hängen
  7. Im schultertiefen Wasser zwischen zwei Poolnoodles hängen
  8. Mit zwei Poolnoodles Motorrad fahren

Lernstufe 2: Mit Unterstützung in horizontaler Position im Wasser bewegen.
  1. Der Lehrer zieht die Schüler in Bauchlage oder Rückenlage mit verschiedenen Griffen (Achsel-, Arm-, Handgriff) und schiebt die Schüler, die z. B. ihre Arme auf ein Schwimmbrett oder eine Poolnoodle legen
  2. In Rückenlage schweben: mit dem Kopf auf der Schulter des Lehrers, der in Hockposition rückwärts geht
  3. An einer Poolnoodle oder zwischen zwei Poolnoodles schweben
  4. Am Schwimbrett mit einem Pullbuoy gleiten

Lernstufe 3a: Ohne bzw. mit zurückhaltender Unterstützung in horizontaler Körperlage gleiten
  1. Schüler, die an einem Leinenende hängen, schleppen
  2. Aus einer Hockposition, z. B. von der Treppe oder von einer Bank, zum Lehrer oder zum Rand oder zur Matte gleiten
  3. In Rückenlage mit einem Brett unter dem Kopf "strampeln" (mit und ohne Lehrerhilfe)
  4. Zwischen zwei Poolnoodles hängen und mit den Beinen strampeln (Rücken- und Bauchlage)
  5. Mehrere Kinder hängen in Rücken- oder Bauchlage an den Poolnoodles nebeneinander und strampeln (mit und ohne Lehrerhilfe)

Top-Tipps
  • Möglichst mit zwei oder drei Kindern gleichzeitig üben!
  • Immer alle Kinder im Blick behalten!
  • Nicht immer, aber immer öfter, ohne Hilfsmittel üben!
  • Lehrer demonstriert, und Schwimmschüler imitieren ihn!
  • Die Inhalte der vorherigen Lernstufen variieren und wiederholen!
  • Kleine Spiele im bauchtiefen Wasser organisieren:
    • Namensspiel: Lehrer ruft "Daniela", und alle Kinder gleiten, hüpfen, laufen zu Daniela
    • Phantasie- und Rollenspiele, zum Beispiel Indianerspiel: Ganz leise durchs Wasser schleichen und sich klein machen; nachdem der Feind besiegt wurde, einen Indianertanz veranstalten und brüllen
    • Kreis dreht sich im Uhrzeigersinn und dann gegen den Uhrzeigersinn
    • Der Kreis wird ganz klein (Schüler joggen oder hüpfen zur Kreismitte), der Kreis wird ganz groß (Schüller joggen oder hüpfen wieder zurück)
    • Kettenfangen: 2-er-Kette fängt zwei weitere Kinder, und aus einer 4-er-Kette werden dann wieder zwei 2-er-Ketten
    • Seite frei halten - Materialien aus dem Feld der Mitspieler ins Feld der Gegenspieler werfen
    • Mit Bällen und anderen Materialien frei, das heißt ohne Anleitung, im Wasser spielen

Lernstufe 3b: Im und ins Wasser springen
  1. Im bauchtiefen Wasser möglichst hoch springen und möglichst tief landen
  2. Im bauchtiefen Wasser hüpfen und eine halbe Schraube oder eine ganze Schraube versuchen
  3. Vom Rand, aus dem Sitz, aus der Hocke oder aus dem Stand ins Wasser springen (mit und ohne Lehrerhilfe)
  4. "Bombe" vom Rand
  5. Vom Rand auf ein Schwimmbrett springen
  6. "Wie Flipper": Delfinsprünge (vorwärts, rückwärts und seitwärts) probieren
  7. Gegenstände vom Beckenboden fischen

    • Top-Tipps
    • Kein Anlauf am Beckenrand!
    • Keine Rückwärtssprünge, keine Schrauben vom Rand!
    • Keine Kopfsprünge ins bauchtiefe Wasser! Das Wasser muss dafür mindestens 180cm tief sein!

Lernstufe 3c: Ins Wasser eintauchen, ins Wasser und unter Wasser ausatmen
  1. Intensiv duschen und mit Rasierschaum eine Schneeballschlacht organisieren
  2. Linke Wange, dann rechte Wange, dann Hinterkopf und dann Gesicht (Hände zuerst noch vor dem Gesicht, dann mit geschlossenen Augen) auf das Wasser legen
  3. Unter dem Seil hindurch oder in einen auf der Wasseroberfläche liegenden Reifen hineinkrabbeln
  4. Tischtennisbälle und Luftballons, die im Wasser liegen, anblasen und treiben
  5. An einem Stab oder an der Treppe abtauchen und Luftblasen produzieren
  6. Am Rand mit "Beinestrampeln" ein- und ausatmen
  7. Unter Wasser den Mund mit Wasser füllen und über Wasser den Mund leer pusten (10-mal wiederholen)
  8. Gegenstände vom Beckenboden fischen
  9. In Bauch- und Rückenlage mit und ohne Brett im bauchtiefen Wasser zum Rand hin und vom Rand weg gleiten
  10. Ins bauchtiefe Wasser springen, sich auf den Beckenboden hocken und "große Blasen blubbern"

Lernstufe 4: Sich im Wasser ohne Hilfe antreiben.

Die ersten antriebswirksamen Bewegungen im Wasser empfinden Kinder als Sensation. Folgende didaktische Frage ist deshalb nahe liegend: Mit welchen komplexeren Bewegungen können während der Episode "Situation Wasser ohne Vorerfahrungen bewältigen" möglichst viele Antriebserlebnisse problemlos vermittelt werden?

Vorschläge:
  1. "Raddampfer": In Bauchlage mit den Armen rudern und mit den Beinen strampeln -möglichst mit dem Gesicht im Wasser
  2. "Ruderboot": In Rückenlage mit den Armen neben der Hüfte paddeln und mit den Beinen strampeln
  3. "Hubschrauber": In Bauchlage mit den Armen kreisen und mit den Beinen strampeln -möglichst mit dem Gesicht im Wasser
  4. "Raddampfer" und "Hubschrauber" mit regelmäßiger Ein- und Ausatmung
Top-Tipps
  1. Lehrende sollten sich immer wieder bewusst machen, dass die Kinder selbst entscheiden:
    • ob sie ins fremde Element Wasser hineinklettern
    • ob sie sich vom Beckenrand lösen und im bauchtiefen Wasser laufen, hüpfen
    • ob sie sich mit Hilfe ins Wasser legen
    • ob sie sich ohne Hilfen ins Wasser legen
    • ob sie mit und ohne Hilfen ins Wasser springen
    • ob sie sich im Wasser absinken lassen
    • ob sie sich im bauchtiefen und dann im tiefen Wasser mit Bewegungen antreiben und eine Strecke bewältigen

    Also: Die Bewältigung der Bewegungssituation Wasser fordert und fördert die Schwimmschüler, aber die Schwimmlehrer sollten unbedingt Selbstentscheidungen der Kinder respektieren und nicht auf abgelehnte Übungsformen beharren. Die Überwindung von Schwellen kann entweder aktiv über eine Reizgewöhnung (= Habituation), die eine immer geringere Reaktionen bedingt (gekonnte Übungen variieren und oft wiederholen!), oder über eine Neubewertung der Situation durch den Schwimmschüler erfolgen.

  2. Für die Episoden Situation Wasser ohne und mit Vorerfahrungen bewältigen sind die Prinzipien von Gildenhard (1986) unverzichtbare Orientierungen:
    • Nach dem Grobformprinzip werden um Beispiel Kreisbewegungen der Arme (mehr oder weniger in der Horizontalen und in der Vertikalen) und der Fersen (mehr oder weniger in der Horizontalen) und Auf- und Abbewegungen der Beine demonstriert und von den Schülern grob imitiert.
    • Nach dem Kombinationsprinzip werden die Teilbewegungen verschiedener Schwimmarten miteinander kombiniert,.z. B. Brustarmzug mit Kraulbeinschlag.
    • Nach dem Vielseitigkeitsprinzip sollen die Schüler die Bewegungssituation Wasser mit vielen verschiedenen Bewegungen erfahren.